Allgemein Holly & Edgar

Blauäugig war gestern

Leute, wenn ich euch sage, wie fad mir ist, ihr werdet es nicht glauben. Oder doch? Meine Pfote wird so langsam, aber ich trage immer noch Verband. Fünf Wochen „Körbchenruhe“, keine Spaziergänge, Frauchen nennt es den blanken Horror oder gelegentlich auch unseren persönlichen Doppel-Lockdown.

Leute, wenn ich euch sage, wie fad mir ist, ihr werdet es nicht glauben. Oder doch? Meine Pfote wird so langsam, aber ich trage immer noch Verband. Fünf Wochen „Körbchenruhe“, keine Spaziergänge, Frauchen nennt es den blanken Horror oder gelegentlich auch unseren persönlichen Doppel-Lockdown.

Die größte Aufregung der vergangenen Wochen waren die Tierarztbesuche, ein bis zweimal pro Woche mussten wir vorstellig werden, Frauchen murmelt dann während der Fahrt nonstop: „Das war die teuerste Bierflasche aller Zeiten und wir haben sie nicht mal getrunken“.

Wenn wir beim Tierarzt ankommen sind, ist die Bierflasche vergessen, denn ich bin jedes Mal so aufgeregt, dass ich alles vergesse. Wirklich alles. Ich werfe mich auf den Boden, weil da sind so viele Hunde und die riechen alle so gut. Und ich habe doch seit fünf Wochen nicht mehr gespielt. Das ganze Wartezimmer ist in Aufruhr, wenn ich da bin. 

Wenn Frauchen mich irgendwie an den anderen Hunden vorbeigekriegt hat und fertig ist mit ihren gemurmelten Verwünschungen in meine Richtung, fällt mir für gewöhnlich ein, was als nächstes kommt. DER TISCH. Die anderen Hunde sind Geschichte und ich hyperventiliere neben Frauchen. Der Tisch ist ein Folterwerkzeug, das im Behandlungszimmer steht. Glatt, kalt, hoch und bösartig wartet er auf mich. Meistens müssen sie mich da oben zu zweit festhalten, damit der Doktor meinen Verband wechseln kann. Dafür sind die Tierärzte jung, nett und bestechen mich mit Leckerchen, die ich unter Prostet inhaliere, bevor ich mich wieder winde wie ein Aal.

Aber jetzt kommt es, beim letzten Mal hatten wir einen Termin bei dem Chirurgen, der mich operiert hat. Ich fand den ja schon damals suspekt, bin dann aber irgendwie eingeschlafen. Der Chirurg wollte sich meine Pfote nochmal ansehen und begutachten, ob wirklich alles gut verheilt ist. Was soll ich sagen? Dieser Schlächter hatte von Leckerchen noch nie etwas gehört, hat mich allein auf den Tisch gehoben und mir so einen Blick zugeworfen, da bin ich mal lieber von allein ruhig geblieben. Der Typ, ehrlich. Und dann hat dieser Unmensch mir auch noch einen grünen Verband angelegt. Sieht unmöglich aus zu meinem schwarzen Fell.

Als wäre das alles nicht schon schlimm genug, hat Frauchen abends bei unserer 250-Meter-Mini-Gassi-Runde eine Freundin getroffen. Schnatter, schnatter, schnatter, ihr kennt das. Natürlich hat die Freundin gefragt, wie es beim Tierarzt war und Frauchen hat erzählt, dass wir diesmal bei dem Schlächter waren. Selbstredend habe ich mitleidige Blicke und einen dicken Kuschler erwartet für das Leid, das ich durchmachen musste. Hatte extra meinen Leidensblick Nummer 12 aufgesetzt. Aber nix.

„Oh, das ist doch der mit den tollen blauen Augen“, hat die Freundin losgeblökt und Frauchen hat ganz angetan genickt. 

Haben die sie noch alle? Blaue Augen? Was soll das denn bitte? Sollen sie sich einen Husky kaufen, wenn sie blaue Augen wollen. Aber doch bitte nicht von dem Schlächter schwärmen. Blaue Augen! Wer will denn sowas? Ich bin entsetzt. Ich mein, ich habe die größten, dunkelbraunsten Rehaugen mit Dackelblick-Faktor, die es gibt, gegen mich sieht Bambi aus wie ein Schwerverbrecher! Blaue Augen!

Die werden sich alle umgucken. Ich übe ab sofort abends mit dem dicken Edgar anstarren. Dieser Kater kann stundenlang regungslos dasitzen und einen böse ansehen. Ich gehe also beim Meister aller Klassen in die Schule. Beim nächsten Mal liefere ich mir ein Duell mit dem Schlächter und seinen blauen Augen, das der nur verlieren kann und dann kann er mal die Leckerchen zücken. Ha!

Eure Holly

P.S. Was mit meiner Pfote geschah findest du hier, was Frauchen aus Langweile mit mir anstellt hier und alles andere über mich hier.

2 Kommentare zu “Blauäugig war gestern

  1. Heidemarie Rabe

    Liebe Holly, ich drücke Dir ganz fest die Daumen, dass Du bald wieder fit bist. Hast doch soooo ein liebes Frauchen, das sich ganz toll um dich sorgt. Fühl dich geknuddelt und grüß Edgar lieb von mir.

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  2. Pingback: Von Gangstern und Graffitis – Berlin Krimis & mehr

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